Hier und jetzt ist es perfekt

Moin, da bin ich wieder.

Es ist kaum zu glauben, ich war endlich mal wieder ein paar Tage am Stück op tour. Hooray!

Aber der Reihe nach

Ich war auf Bildungszeit. Kennt ihr das? Wenn nicht, dann erkläre ich es euch gerne beim nächsten Mal.

5 Tage unterwegs „auf dem grünen Band“.

Das grüne Band erstreckt sich über fast 1.400 km entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Hiervon sind wir ein kleines Teilstück gelaufen. 

Am Sonntag ging es los, am Tag vorher war ich richtig „aufgeregt“, so lange keinen Koffer gepackt, so lange nicht für eine Mehrtages-Tour geplant, reichen zwei Outdoorshirts zum wandern? Lieber doch noch ein langärmeliges einpacken? An die Sonnenmütze, Sonnencreme, Regenzeug gedacht? Hach, ist das spannend. Die Tage zuvor hatten wir hier in Bremen bis zu 34 Grad und am Sonntag Morgen schaue ich aus dem Fenster: es regnet .. nee, nicht wahr, oder? Die Wetter App zeigt alle paar Minuten anderes Wetter für die kommenden Tage an. Gut, hilft jetzt nichts. Abmarsch.

Wir treffen uns am Bahnhof. Dort wartet Jan mit dem Bulli, in dem wir unser Gepäck verstauen können. Jan wird in den nächsten Tagen noch oft unser „Engel“ sein.

Nach und nach trudeln die Teilnehmer:innen ein, ein erstes „Beschnuppern“, eine kurze Vorstellungsrunde und dann geht es zum Zug. Während das Gepäck im Bulli reisen darf, haben wir eine knapp 3 stündige Zugfahrt vor uns, mit Umsteigen in Hamburg-Harburg und Lüneburg. Ziel ist Ratzeburg. Im Zug sitzen wir corona-konform getrennt voneinander, so dass ich noch in Ruhe meinen Gedanken nachhängen kann.

Um ca. 10.30 Uhr sind wir also am Bahnhof Ratzeburg und nachdem wir kurz und schmerzlos noch zwei weiteren Teilnehmer:innen vorgestellt werden, die dort zu uns stoßen, sprinten wir zum Bus. Wir fahren bis zur „Jägerstraße“ was uns einen langen (öden) Gang vom Bahnhof bis zum „kleinen Küchensee“ / „Domsee“ erspart. Danke!

Jetzt aber …

Wir laufen los und – nach wenigen Minuten der erste ungewollte Stopp. Hannelore fällt die Schuhsohle ab – echt jetzt? Und nun? Einige Minuten wird hin und her überlegt, hat jemand einen Kleber dabei? Die wildesten Vorschläge werden gemacht. Bis sich Verena (sie soll in diesen Tagen meine persönliche Superheldin werden ;)) erbarmt und ihr ein paar Schuhe leiht und selber auf „Flip-Flops“ weiterwandert. Flip-Flops sollen noch ein spannendes Thema auf dieser Tour werden, soviel sei schon verraten.

Wir laufen noch eine Weile durch Ratzeburg und erreichen dann Ziethen, hier startet die Tour „richtig“. 

Friederike – unsere Gruppenleiterin – sammelt uns ein und damit wir uns endlich ein wenig besser kennenlernen bekommen wir Kärtchen zugeteilt. Es gibt immer ein Kartenpaar in einer Farbe. Jede:r von uns sucht sein „Gegenstück“ und hat nun die Aufgabe sich über die Begriffe auf den Karten auszutauschen. Kommt mir erst ein wenig blöd vor, aber ich habe mit Lilli ein wunderbares „Gegenstück“ und schnell kommen wir über die Begriffe („roman“ und „tisch“) zu anderen Themen und stellen fest „Hey, du bist nett“. So laufen wir plaudern durch die wunderschöne Landschaft, endlich haben wir die Straßen hinter uns und wir laufen mittenmang durch Wiesen und Felder und erfreuen uns an dem weiten Blick.

Ach ja, hat es in Bremen morgens geregnet? Hier sind jetzt mittlerweile 27 Grad und die Sonne brutzelt auf unserer Haut. Wir laufen am Mechower See entlang.

So langsam bekommen wir Hunger und ein Kaffee wäre auch was feines. Bis zu den Außenanlagen vom Grenzhus Schlagsdorf müssen wir noch durchhalten. Dort wartet dann Jan (ich sag ja, unser Engel) auf uns. Er hat bereits Kaffee gekocht, wir können uns Brote fertigmachen, auch ausreichend Obst, Joghurt, Müsliriegel, Kekse, Kuchen – alles „all inclusive“. Herrlich. Ich suche mir erst einmal ein schattiges Plätzchen und lasse mich glücklich auf eine Bank fallen. Erst einmal in Ruhe einen Kaffee und einen Liter Wasser – puh. Und ordentlich nachcremen. Der erste Sonnenbrand ist bereits im Anmarsch. Egal, ist eben so.

Um 14 Uhr bekommen wir Gesellschaft und uns wird die Außenanlage erläutert. Warum und wie so ein Grenzzaun beschaffen war, warum es davor einen Streifen gab, der regelmäßig geharkt wurde (Fußabdrücke!), was für perfide Schießanlagen es gab, wie Menschen damals die Flucht aus – aber auch in – die DDR gelungen ist. All das wird auch im Anschluss noch im Grenzhus selber sehr gut verdeutlicht. 30 Jahre liegt das hinter uns – aber dennoch berührt es mich sehr. Ich bin einfach dankbar, dass ich so ein freies Leben leben darf. Gegen 16 Uhr geht es weiter, jetzt lautet das Ziel „Jugendherberge Ratzeburg“. 

Wieder laufen wir an Kornfelder vorbei,

immer in der Nähe vom Mechower See,

passieren die Grenzlinie,

laufen in Richtung „Schöne Aussicht“ und Bäk, wo wir endlich aus der Sonne kommen und nun über einen Fußweg durch einen Wald laufen.

Jetzt können wir Ratzeburg schon erahnen und laufen parallel zum Domsee.

Wir erreichen den Königsdamm und laufen noch ein Stück durch die Altstadt von Ratzeburg bis wir nach (fast) 16 Km an der Jugendherberge ankommen. Halleluja. Beim einchecken zeigen wir alle brav entweder unseren Impfpass oder den absolvierten Schnelltest vor. Die Zimmer sind – halt Jugendherberge. Ich habe ein 4-Bett-Zimmer für mich alleine. Schnell Bett beziehen, duschen, Abendbrot gibt es bis maximal 19.30 Uhr, also schnell sein. Wir können draußen auf der Terrasse essen, mit Blick auf den See. Traumhaft schön. 

Nach dem Essen treffen wir uns noch zum „Tagesabschluss“ – wir erzählen, wie es uns mit den heutigen Eindrücken geht, erhalten noch Informationen, wie es am nächsten Tag weitergeht und danach machen wir es uns auf der Dachterrasse gemütlich, erfreuen uns an einem wunderschönen Sonnenuntergang –

Jan (ich sag es nochmal „Engel“) hat Getränke und was zum knabbern besorgt und bald sitzen wir in kleinen Grüppchen zusammen und erzählen uns was.

Mein Fazit: ich bin dankbar für die vielen Eindrücke, die tolle Natur, das das Wetter gehalten halt und – ich bin hundemüde. Ab ins Stockbett, in dem ich übrigens wunderbar geschlafen habe.

Und ihr? Kennt ihr das grüne Band? Habt ihr einen Bezug zur ehemaligen DDR? Jugendherbergserfahrungen? Ich war das erste Mal seit mindestens 40 Jahren in einer 😉

Wie auch immer. Habt einen schönen Sonntag und seid gut zu euch. Ich berichte bald weiter.

 

8 Gedanken zu „Hier und jetzt ist es perfekt

  1. Ein beeindruckender Artikel über eine tolle Landschaft und einen prägenden Abschnitt der deutschen Geschichte. Und Jan + Engel ist doch nicht wirklich überraschend 😉

  2. Wieder sehr spannend,schöne Bilder und Landschaft.Und es war ja auch nicht dein erster Bildungsurlaub,waren die eigentlich auch in der JH ??
    Auf jeden Fall jetzt nach Corona die erste schöne „Auszeit“,oder?
    Freue mich auf die nächsten 4Berichte.

  3. EIn Bildungsurlaub zu einem sehr interessanten Thema. Dein Bericht zur ersten Tagestour hat micht sehr berührt, schließlich lebte ich die ersten 15 Jahre meines Lebens sehr weit östlich dieses grünen Bandes. Ja, der Todesstreifen sorgt für Grummeln in der Magengegend, auch heute noch. Ich freue mich schon auf Berichte zu den nächsten Tageabschnitten, Übrigens: ein besonders gelungenes Foto von Dir mit dem Sonnenuntergang im Hintergrund, eine hübsche Abwechslung zu den puren Naturfotos 😉

    • Liebe Sandra, ich habe unterwegs oft an dich denken müssen und hätte es gerne mit dir gemeinsam erlebt.

      Ja, ein Grummeln im Bauch hatte ich auch das eine oder andere Mal und wie glücklich wir uns schätzen können, das es vorbei ist

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