Cornwall – von Roughtor nach St. Breward

neuer Tag – neue Tour. Heute geht es auf den Brown Willy – eine Tour auf den höchsten Berg – okay Hügel – in Cornwall und danach laufen wir durchs Moor 

Vor dieser Tour hatte ich im Vorfeld schon ein wenig Respekt. Heute sollte es durchs Bodmin Moor gehen. Ich erinnere mich an eine Moorwanderung in Irland und wie anstrengend diese war und hoffe dieses Mal auf bessere (Lauf-)Verhältnisse. 

Wir starten in Roughtor, Chef Ralf zeigt auf einen Hügel, dieser ist aber noch nicht der Brown Willy, dieser ist erst später zu sehen. Er erzählt ein wenig über das Bodmin Moor, liest uns einen Auszug aus einem Roman von Daphne du Maurier (Jamaica Inn) zur Einstimmung vor und los geht es.

Der erste Anstieg sieht gar nicht so schlimm aus, es geht aber unaufhaltsam hoch und zwischendurch kommt man doch ins schnauben – bis auf Heike, Heike summt vor sich hin. Eine Taktik die ich bei späteren Touren auch versuchsweise übernehme, so von wegen „achtsames Gehen“ und so.

Nach ein paar Schritten sehen wir die ersten Wildpferde, diese sollen uns auch noch öfters – auch bei anderen Touren – begegnen. Da schlägt das Mädchenherz doch gleich etwas höher.

Den ersten Hügel erklimmen wir nach einer knappen Stunde, machen dort eine kleine Pause – der nächste Abschnitt erinnert mich sehr an den Hadrianswall – es geht über viele Steine. Nachdem wir auch den Brown Willy erobert haben geht es erst einmal wieder ordentlich hinab. Wir passieren eine Straße und ab geht es ins Moor.

Von dort gibt es nur wenige Handy Fotos, die Kamera musste in den Rucksack, denn ab jetzt hieß es, sich auf den Weg zu konzentrieren. Glücklicherweise hatte es längere Zeit nicht geregnet – ein weiteres Klischee mit dem ich hier endgültig aufräumen muss, von wegen in England regnet es ständig – stimmt einfach nicht. Dennoch ist der Weg sehr anstrengend, im Gänsemarsch laufen wir hintereinander her und versuchen, uns von Grasnarbe zu Grasnarbe zu balancieren – eine super Übung fürs Gleichgewicht.

im Moor

Leider liegen diese Grasnarben nicht in (meiner) Schrittweite, so dass ich ab und an mutig hüpfen muss – an dieser Stelle geht noch einmal mein ausdrücklicher Dank an die (immer noch) summende Heike, die mir ab und an hilfreich eine Hand hingehalten hat. Da bekanntlich Hochmut vor dem Fall kommt, freue ich mich gerade diebisch, wie toll ich das hinbekomme – und platsch – liegt ich mit dem Gesicht nach unten. Leise vor mich hin schimpfend rapple ich mich wieder hoch, nun gut, Moorpackungen sollen ja gesund sein, glücklicherweise habe ich nur ein wenig schmutzige Kleidung, keine Blessuren (außer dem verletztem Stolz) und platsch – liegt die nächste Dame, glücklicherweise auch ohne weitere Verletzungen. In dieser Einöde wäre ein umgeknickter Knöchel o.ä. nicht so toll gewesen. Unser Chef beschert uns noch eine kleine Extra-Runde, da der geplante Weg nicht passierbar war und in (weiter) Ferne können wir unser nächstes Pausenziel bereits sehen.

Pause

Glücklicherweise ist damit das Moor-Stück beendet und wir laufen auf einem „richtigen“ Weg bis nach St. Breward, unser heutiges Tagesziel. Dort machen wir noch eine sehr lange Pause in einem Pub, wo wir gemütlich auf der Terrasse sitzen und auf den Bus warten, der uns zurück ins Hotel bringt.

Laut meiner App sind wir heute knapp 14 Kilometer zwischen 186 und 480 Höhenmeter gelaufen.

 

Heute gab es keine Küste, kein Wasser, keine Buchten, dafür eine hügelige, karge aber faszinierende Landschaft, so in etwa stelle ich mir auch Teile des Camino vor (wenn auch ohne Moor), wer diesen schon einmal gelaufen ist, kann sich ja mal zu Wort melden.

Am nächsten Tag haben wir frei, ein Großteil der Gruppe hat sich entschieden Lanhydrock House, ein Herrenhaus, zu besuchen. Da ich die weiteren freien Tage auch bereits mit Touren verplant habe, beschließe ich, mir diesen einen freien Tag zu gönnen und mir in Ruhe Tintagel und Umgebung anzuschauen, dazu später mehr.

Wenn ich hier so in Erinnerungen schwelge, möchte ich am liebsten wieder sofort zurück, sogar durchs Moor würde ich noch einmal laufen.

Jetzt wünsche ich euch erst einmal einen schönen Pfingst-Sonntag, genießt das gute Wetter und seid gut zu euch.

 

 

2 Gedanken zu „Cornwall – von Roughtor nach St. Breward

  1. Auch der 2.Abschnitt deiner Reise ist wieder interessant,die Fotos schön.
    Das muß man aber alles selbst erlebt haben um das nach zu vollziehen.
    das mit dem „am Wasser sein“ haben wir aber gemeinsam.Bin gespannt auf´`s nächste Teil

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